08.09.2018

Be prepared!

Auf meine Körpersprache achten? Wieso ist das so wichtig? Schließlich zählen doch die Inhalte und das Meiste kläre ich per Telefon – da sieht mich doch keiner!“

Eine Frage, die im Workshop zum Thema „Strong Appearance“, der sich mit dem bewussten Einsetzten von Körper und Stimme auseinandersetzt, aufkommt. Bevor ich lange erkläre, lasse ich zwei Teilnehmer improvisieren. Das Erfahren am eigenen Körper macht das Begreifen leichter.

Das, was für die einen scheinbar logisch ist, erscheint für die anderen überflüssig. Um sie alle auf einen Nenner zu bringen, stellen zwei Teilnehmer exemplarisch eine typische Situation dar. Sie verhandeln am Telefon, sind getrennt von einer Magnetwand, sehen sich also nicht. Beide bekommen ein inhaltliches Ziel für ihr Telefonat und genaue Anweisungen, wie sie sich körperlich positionieren und verhalten sollen.

A sitzt desinteressiert vor seinem Rechner und ist parallel mit anderen Aufgaben beschäftigt, sieht ja keiner, und B steht aufrecht neben seinem Schreibtisch, auf dem die Unterlagen zum Thema liegen. Das was scheinbar selbstverständlich ist, wird hier deutlich sichtbar. Schon während der kurzen Improvisation wird für die Teilnehmer deutlich, was später bei der Kameraanalyse auch für die „Spieler“ erkennbar wird: nicht nur die Unkonzentriertheit ist in der Stimme zu hören, sondern auch die nicht vorhandene Energie. Ganz zu schweigen von genuschelten Sätzen. 
Verblüfft staunen die Teilnehmer, was die kleinen Änderungen, aufrechte Haltung, damit der Atem fließen kann, lächeln und Fokussierung auf das Ziel, ausmachen. 
Die Herausforderungen in der sog. „VUCA-Welt“ sind groß. Am besten erledigen wir alles gleichzeitig. Die medialen Möglichkeiten scheinen uns darin gerade zu aufzufordern. Und wer nicht telefonieren, Emails beantworten und die nächste PPT gleichzeitig vorbereiten kann, macht scheinbar etwas falsch. Bewerbungen laufen permanent in den verschiedenen Portalen und wir sollten eigentlich immer bereit sein. Das ist die Parallele zu der Welt der Schauspieler. 

Während einer rauschenden Premierenfeier wurde ich einem Regisseur vorgestellt, der in den kommenden Monaten einen Klassiker an einer großen Deutschen Bühne inszenieren sollte. Ein wichtiger Moment, da sich Schauspieler eigentlich in einer permanenten Bewerbungssituation befinden. Der charmante grauhaarige Herr blickte mich an und verzog keine Mine als er sagte: „Können Sie vorsprechen?“

Ein  verdutztes  „Selbstverständlich“ rutscht über meine Lippen . „Gut, dann gehen sie schon mal auf die Probebühne A, wir kommen gleich nach“, mit Blick auf seine Assistentin wandte er sich ab und ließ mich stehen.

Eigentlich hat man auch als Schauspieler etwas Zeit, sich vorzubereiten, aber manchmal ist eben Spontaneität gefragt. Ich war durch eine harte Schauspielschule gegangen und wenn ich etwas begriffen hatte, dann, dass man seinen „Pitch“, die Vorsprechrolle, parat haben sollte. Ich hatte. Mit weichen Knien stand ich Minuten später auf der Probebühne A – mit besagtem Regisseur, seiner Assistentin und einem Dramaturgen. 

Ich bekam die Rolle und wir arbeiteten einige Jahre erfolgreich zusammen. Als ich später einmal fragte, ob er gewusst habe, dass ich ihm schon lange bevor wir einander vorgestellt wurden, meine Unterlagen zu geschickt hatte, rollte er nur mit den Augen.

 „Das Einzige was zählt, ist mein persönlicher Eindruck. Wodurch sonst, soll ich Euch alle unterscheiden?“

Und das gilt nicht nur für Schauspieler. Mehr denn je ist der unverwechselbare reale Augenblick des Kennenlernen das As im Ärmel, das jeder von uns jederzeit mit sich trägt. Weiß man doch nie, wo einem der nächste große Auftrag oder Job über den Weg läuft. 

Auch Bloggerinnen machen sich inzwischen zunutze, dass der Geist Inhalte besser verarbeitet und speichert, wenn er die Information mit einem angenehmen Bild und einer positiven Erinnerung verknüpft. Sie treten aus der Anonymität ihres Blog Magazins und damit aus der gleichmachenden Internetmasse heraus und in den direkten Kontakt mit ihren Followern, um durch ihre leibhaftige Präsenz zu Unverwechselbarkeit und Sympathie beizutragen.

Inhaltlich bewegen wir uns in unserer kompetitiven Welt oft auf einem ähnlichen Level. Das was uns unterschiedet, ist unser Auftreten, unser Einfühlungs- und Einschätzungsvermögen, unser Fokus. Der persönliche Kontakt, der, wenn er gut genutzt ist, nachhaltig Eindruck hinter-lässt. Der Schlüssel dazu ist, dass man seine Wirkung kennt und zu nutzen weiß. Da wir im persönlichen Kontakt zuallererst visuell wahrnehmen, ist unsere Körpersprache dabei der Schlüssel für das Interesse des Gegenüber an einem Gespräch. Hat man sein Ziel vor Augen und schöpft seine Potential an Körpersprache und Stimme aus, kann uns nichts davon abhalten, den spontanen Kontakt in einen persönlichen und beruflichen Erfolg zu verwandeln. 

*Das Wort VUCA setzt sich zusammen aus: volatile (unbeständig) uncertain (unsicher) complex (vielschichtig) und ambiguous (unklar) 

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