19.03.2020

Der Fels in der Brandung

Viel kommentiert wurde die Fernsehansprache der Kanzlerin in den letzten Tagen – sowohl inhaltlich wie auch die äußere Form ihres Auftrittes. Einigen fiel eine neue „Nahbarkeit“ der Kanzlerin auf, Gabor Steingart schrieb gar über einen „Hauch von Emotionalität“, der spürbar wurde und den wir sonst so gar nicht gewohnt sind von der nüchternen Wissenschaftlerin.

Wir sahen eine stabile authentische Angela Merkel. Stabil, weil sie das Bild, das sie seit Jahren in Deutschland als zurückhaltende, wohl-überlegte Führungskraft etabliert hat, in ihrer Ansprache inhaltlich und auch in ihrem gesamten Außenauftritt bestätigt hat. Sie vermittelt Sicherheit, lässt ungezügelten Emotionen keinen Raum, bleibt der Fels in der Brandung und vermittelt jedem Einzelnen dadurch in all der derzeitigen Unsicherheit eins: Verlässlichkeit und Beständigkeit.

Aber was war es dann, das sie doch etwas emotionaler und als Mensch spürbarer werden ließ? Neben die gewohnt gefasste Kontrolle der gestisch reduzierten Hände, den immer gleichen Duktus der Stimme und die wiederkehrende Satzmelodie, traten kaum wahrnehmbare spontane körperliche Impulse. Ein ganz leichtes Schulterzucken, fast wie ein Seufzen des Körpers, durchlief die kontrollierte Körpersprache der Kanzlerin – ein einziges Mal. Eine authentischere Körpersprache, die den Zuschauer auch emotional abholt und verdeutlicht, wie herausfordernd die Situation auch für die Kanzlerin ist.

Und damit hat sie etwas geschafft, das ihr in den letzten Jahren nicht immer gelungen ist. Sie hat die Zuhörer*innen abgeholt, durch Empathie und für ihre Verhältnisse mit relativ viel Emotionalität in der Stimme, der Wortwahl und ihrer Mimik. Ihre vertraute Zurückhaltung, in der ganz selten ein feines verbindliches Lächeln über ihre Lippen blitzt, vermittelt uns zwar nicht den Handlungs-Aktionismus, den sich mancher von uns wünscht, zeigt uns aber genau, wen wir als Führungskraft unseres Landes haben: Einen Fels in der Brandung, der wohl überlegt, analytisch und mit Bedacht, ohne uns, das Volk, aus den Augen zu verlieren, voranschreitet. Und die doch menschlicher, verbindlicher und direkter auf das Publikum wirkte als bisher und so in Zeiten großer Verunsicherung Gemeinsamkeit jenseits der Inhalte schaffte.

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