Anschlussfähigkeit oder wie bringe ich meine Welt zum Klingen?

immer noch völlig bezaubert von der magischen Musik der Berliner Philharmoniker falle ich in meinen Autositz. Es ist bereits Mitternacht, aber ich bin hellwach.
Wie gelingt es diesem Ausnahme-Orchester immer wieder seinem Publikum die Musik in einer Art und Weise zu nahezubringen, die das Erlebnis absolut einzigartig macht? Meine Gedanken fliegen zurück zum Moment zwischen dem zweiten und dritten Satz von Beethovens Vierter, als meine Begleitung und ich uns flüsternd darüber austauschten, wie virtuos jeder sein eigenes Instrument beherrscht und wieviel viel Freude die Musiker an ihrer eigenen Musik haben. Aber nicht nur das, auch wenn sie gerade selbst nicht aktiv waren, waren die Musiker komplett im Hier und Jetzt, lauschten voller Freude ihren Orchesterkollegen, wiegten sich in der Musik und schenkten sich gegenseitig und dem Dirigenten die volle Aufmerksamkeit.
 
Ich denke an meine eigene Arbeitserfahrung in Unternehmen. Wie selten schenken sich alle die volle Aufmerksamkeit oder freuen sich an der Brillanz der Kollegen. Und wie oft geht es darum die Zeit zu nutzen, in der man nicht selbst aktiv spricht, um schnell etwas anderes zu machen – gedanklich oder auf dem Mobiltelefon. Und wie viele Möglichkeiten entgehen uns dadurch mit anderen zu schwingen, mit ihnen anzuschließen. Oder selbst einen neuen Impuls dazu zu bekommen, wie es weitergeht.
 
Nicht umsonst sind unsere Team Coaching und Offsite Formate oft geprägt von solchen wunderbaren Momenten. Es gib in diesen Team Klausuren kein Mobiltelefon und die Teilnehmenden werden vom Moderator bestenfalls immer wieder in die wertschätzende Aufmerksamkeitszone gelenkt. Darum passieren dort auch oft wunderbare Dinge – sowohl inhaltlich als auch im Miteinander. Oft sind dann Fortschritte möglich, die vorher unmöglich erschienen oder zumindest zu unattraktiv, um sich selbst dafür zu engagieren.
 
Und sind nicht auch diese Tage am Jahresende idealerweise Tage der Anschlussfähigkeit? Tage, an denen wir das Miteinander in den Mittelpunkt stellen, Tage an denen wir unsere Note zu unseren eigenen Orchestern – sei es das Team, die Familie oder die Freunde – beitragen, aber vor allem ein interessiertes offenes Ohr für das haben, was die anderen uns mitbringen – an Lebenserfahrung, an Impulsen, an Lebensfreude?
 
Dann wird aus unserem Leben das beglückende Zusammenspiel, das wir Menschen brauchen, wie die Luft zum Atmen. Um uns weiterzuentwickeln, in unserer eigenen Virtuosität, aber vor allem auch Kontext der Systeme in denen wir leben.
 
Wie das nochmal geht mit der Anschlussfähigkeit fragen wir uns nach vielen Tagen und Nächten am Computer oder Mobiltelefon? Lesen Sie dazu den kurzen Impuls meiner Kollegin Eva-Christine Bode, in dem Sie uns in Signale der Anschlussfähigkeit einweiht. Oder Sie suchen nach Anschlussfähigkeit in einer Kultur, in der Sie nicht zu Hause sind? Dann ist der Impuls von unserer koreanisch-deutschen Kollegin EunJu spannend, mit seinen Einsichten zur kulturellen Anschlussfähigkeit.  Gerade unter dem Weihnachtsbaum geht es oft auch um die Anschlussfähigkeit zwischen Generationen. Unsere Kollegin Jutta Schubert hat sich lohnende Gedanken dazu gemacht, wie man auch generationsübergreifend den Anschluss nicht verliert.
 
Welches unserer Impulse auf dem Weiss & Cie. Plätzchenteller Ihnen auch immer am besten schmeckt, wir freuen uns über Ihre Aufmerksamkeit, Zugewandtheit und Entwicklungsfreude und hoffen, Sie können Vieles davon verwerten während der Feier- und Ferientage. Nach denen wir uns auf ein Wiedersehen mit Vielen von Ihnen bei den Berliner Philharmonikern freuen, mit denen wir unseren Jahresempfang ausrichten dürfen!
 
Ihnen bis dahin eine bezaubernde Zeit und bleiben Sie uns gewogen.
 
Es grüßen Sie herzlich

Ihre Julia & Ingo Weiß

5 Impulse die eigenen Anschlussfähigkeit zu trainieren

1. Die Qualität der sich begegnenden Systeme ist die Grundlage von Kommunikation. Ist unser System gut gepflegt und wir in einem guten und ausbalancierten Ressourcen-zustand, können unsere Antennen leichter auf Anschluss ausgerichtet sein. Wir sind neuen Begegnungen gegenüber Im wahrsten Sinne des Wortes aufgeschlossen.

2. Was ist meine Basis? Um mich öffnen zu können, um (noch) Unbekanntem Platz zu schaffen, brauche ich Sicherheit, etwas, auf das ich mich verlassen kann, auf das ich zurückgreifen kann. Was gibt Ihnen in Situationen, in denen Anschlussfähigkeit gefordert ist, Sicherheit? Ein wichtiger Anker ist Ihr Atem – Tiefenatmung sendet unserer Psyche direkt das Signal, das wir Kontrolle über die Situation haben.

3. Es gibt keinen Generalschlüssel für neue Begegnungen oder Situationen, wir müssen uns immer wieder neu auf die gegenwärtige Situation einlassen, innere Flexibilität ist also die Grundlage aller Anschlussfähigkeit. Dazu hilft es enorm, immer wieder mal die eigene Perspektive zu verlassen und in die Schuhe des Anderen zu schlüpfen.

4. Alle somatischen Marker, beginnend mit dem wichtigsten Signal der Anschlussfähigkeit, dem Blickkontakt, bieten uns die Möglichkeit dem Gegenüber zu signalisieren, dass ich bereit für eine Kontaktaufnahme bin. Auch andere Marker wie Kopfnicken, wenn jemand etwas sagt, oder Lächeln helfen als Signal des Einverständnisses und der Sympathie.

5. Der energetisch größte Punkt des Körpers, der Bauch und das Becken, zeigen im besten Fall in Richtung des Gesprächspartners. Die komplette Körpersprache ist somit zu unserem Gesprächspartner ausgerichtet. Setzten Sie bewusst das wunderbare Instrument der Körpersprache ein, um sich und auch ihren Gesprächspartner unterbewusst sofort mit sympathischen Signalen zu versorgen, die sie beide in eine gute Ausgangslage für ein spannendes, gutes Gespräch bringen. Wenn das Unterbewusstsein die ganze Zeit mit der Frage beschäftigt ist, warum der Gegenüber mit verschränkten Armen und halb abgewandt vor uns sitzt, kann ich mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Alles, was gesagt wird, wird dann in diesem Kontext bewertet.

Anschlussfähigkeit in unterschiedlichen Kulturen

Wenige Monate nach der Rückkehr meiner Familie nach Korea, meinem Geburtsland. In meinem Klassenraum soll jeder den Test eines Mitschülers auswerten. Ein Kind meldet sich und sagt, dass bei ihm alle richtigen Antworten als falsch markiert worden seien. Die Lehrerin wird laut und fragt, wer diese Auswertung gemacht hat. Ich melde mich zu Wort und erkläre, dass das Häkchen doch andeuten würde, dass etwas richtig gemacht wurde. Denn so hatte ich es in der deutschen Grundschule gelernt. Die Lehrerin schaut irritiert. 
 
Als jemand, der in Korea und Deutschland aufgewachsen ist, zwei Ländern mit sehr unterschiedlichen Kulturen, begann für mich das Thema interkulturelle Anschlussfähigkeit schon in sehr jungen Jahren.

Generationsübergreifender Anschluss

In ihrer fast 50-jährigen Berufslaufbahn hat unsere Kollegin Jutta Schubert zahlreiche technologische Entwicklungen miterlebt. Angefangen von der Assmann-Diktiertechnik bis hin zu modernen Handys und Videokonferenzen via Zoom. Sie betont, ein gesunder Umgang mit Technologie ist wichtig und dennoch betrachtet sie das Lernen und Mitmachen als einen lebenslangen Prozess – unabhängig welchen Alters.